Vom Ei bis zum Beringen der Jungtauben
Vom Ei bis zum Beringen der Jungtauben
Man rechnet nach der Anpaarung bis zur Ablage des ersten Eies etwa 10-12 Tage. Das erste Ei wird zwischen 17 und 19 Uhr gelegt. Am übernächsten Tag wird das zweite Ei ins Nest gelegt, meist zwischen 13 und 16 Uhr. Fachkundige Züchter kennen diese Legeabstände. Sie nehmen das zuerst gelegte Ei aus dem Nest und ersetzen es durch ein Gipsei. Das erste Ei wird dann bei etwa 10 Grad Celsius gelagert und erst nach Ablage des zweiten Eies ins Nest gegeben. Das ermöglicht einen weitgehend gleichzeitigen Schlupf und verhindert, dass das zuerst geschlüpfte Küken sich bei der Fütterung immer wieder vordrängt und das später geschlüpfte Küken dadurch einen Entwicklungsnachteil erleidet. Diese Prozedur ist jedoch nicht immer notwendig, zumal viele Taubenpaare erst nach der Ablage des zweiten Eies voll in ihr Brutgeschäft einsteigen.
Nach vier Tagen kann man die angebrüteten Eier mit einer guten Taschenlampe durchleuchten und erkennen, ob die Eier befruchtet sind. Dabei wird das Lampenglas nach oben und das Ei darüber gehalten. Auf dem Dotter sind dann feine Blutäderchen zu sehen, in deren Mitte ein schwarzer Punkt, der sog. Keim ausgemacht werden kann. Besonders in den ersten 10 Tagen sollten aber alle weiteren Brutstörungen vermieden werden, da der Embryo in dieser Zeit am intensivsten wächst. Bei häufigen Störungen kann es zum Absterben der Taubenembryonen kommen. Nestkontrollen lassen sich am gefahrlosesten durchführen, wenn beide Taubeneltern am Futtertrog sind und somit das Nest vorübergehend nicht verteidigt wird.
Tauben brüten im Normalfall 18 Tage, bei dauerhaft hohen Aussentemperaturen kann es aber auch schon am 17. Tag zum Schlupf kommen. Da jedoch nicht alle Taubeneltern am Beginn der Brutzeit mit derselben Intensität beginnen, kann sich ein Schlupf bisweilen schon mal bis zum 19. oder sogar 20.Tag hinziehen. Schon mancher Zuchtfreund hat in seiner Ungeduld und in Unkenntnis des Brutablaufes die Eier vorzeitig aus dem Nest geholt und beim Öffnen lebende Küken vorgefunden.
Im Übrigen bestätigen auch hier die Ausnahmen die Regel, nach der die Täuber zwischen 10 und 16 Uhr und die Täubinnen in der übrigen Zeit das Brutgeschäft verrichten. Es soll auch Täubinnen geben, die das Brüten die ganze Zeit auch alleine erledigen, was jedoch häufig mit einer nachfolgenden Schwächung des Tieres verbunden ist und vermieden werden sollte.
Falls beide Eier unbefruchtet sind, sollte man vor allem bei der ersten Brut das Paar zu Ende brüten lassen und dann ein Jungtier eines anderen Paares unterschieben. Auf diese Weise kommen die Zuchttiere wesentlich besser in den Zuchtrhytmus, weil sie zumindest ein Jungtier grossziehen können.
Normalerweise beginnen die Taubenküken am 16. Tag mit dem Anpicken der Eischale. Der komplette Schlupf kann sich dann allerdings noch bis zu 48 Stunden hinziehen. Von gutgemeinter Schlupfhilfe sollten wir Züchter die Hände lassen, denn wir wollen ja vitale Tauben haben - und das beginnt schon mit der Bewährung am ersten Lebenstag.
In den ersten drei bis vier Lebenstagen werden die frisch geschlüpften Taubenküken ausschliesslich mit Kropfmilch versorgt. Ab dem fünften Tag nimmt der Körneranteil ständig zu, wobei jedoch beide Elternteile bis zum 12. Tag nach dem Schlupf noch weiter ihre Kropfmilch produzieren. Bei dieser eiweissreichen Nahrung wachsen junge Tauben ungemein schnell. Schon nach 35 Stunden hat sich ihr Körpergewicht verdoppelt und nach weiteren sieben Tagen ist dann bereits das Zehnfache des Schlupfgewichts erreicht.
Ein immer wieder diskutiertes Thema ist die Frage nach dem idealen Beringungszeitpunkt für unsere Jungtauben. Dazu muss man wissen, dass dies nicht für alle Rassen in gleicher Weise erfolgen kann. In aller Regel kann diese wichtige Markierungs- und Erkennungsmassnahme zwischen dem fünften und dem neunten Tag durchgeführt werden. Als Faustregel kann gelten, dass der Zeitpunkt dann passt, wenn der Ring nicht mehr ganz leicht vom Lauf abgestreift werden kann.
Haben die Züchter diese Arbeit erledigt, hat auch der Taubennachwuchs seine ersten wichtigen Schritte in ein hoffentlich erfolgreiches Taubenleben bereits gemeistert.
