Zwischen Schausaison und Zuchtbeginn
Zwischen Schausaison und Zuchtbeginn
Der Winter ist sowohl für unsere Tauben als auch für uns Züchter eine eher ruhige Zeit. Zwar verlagert sich das Ausstellungswesen immer mehr in den Dezember und den Januar hinein, umso wichtiger ist die Zwischenzeit bis zum Zuchtbeginn Ende Februar oder Anfang März.
Viele Züchter nutzen die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, um sich schon Gedanken bezüglich der neuen Zuchtsaison zu machen, indem sie die Bewertungskarten der Ausstellungen zu studieren oder eben Zeit finden, um sich die potentiellen Zuchtkandidaten genauer anzuschauen. Dabei muss jeder Züchter wissen, dass die Schauergebnisse nicht die alleinigen Kriterien für die neue Zucht sein dürfen. Es wäre ja ansonsten alles so einfach, indem man nur sehr hoch bewertete Tauben für die Zucht zulässt und der Erfolg somit garantiert wäre. Die Realität sieht, wie jeder erfahrene Züchter weiß, ganz anders aus.
Wichtig ist auf jeden Fall, die Tauben nach Geschlechtern getrennt zu halten und vor allem endlich überzählige Tiere zu entfernen. Diese verkleinern nur die Ruhezonen der Zuchttiere, sorgen für Stress und führen damit auch zu erhöhter Anfälligkeit für Krankheiten.
Der eigentliche Zuchtschlag sollte jetzt ausschließlich den Alttäubinnen gehören und nicht wie immer propagiert wird den Altvögeln. Wissenschaftliche Beobachtungen haben nämlich nachgewiesen, dass es die älteren Weibchen sind, die bei Zuchtbeginn die alte Nistzelle mit allen Mitteln wieder belegen wollen. Diesem Streit kann also vorgebeugt werden, indem man die älteren Weibchen im Zuchtschlag belässt. Raufereien vor und in den Nistzellen sind dann kaum mehr feststellbar und der Brutstart läuft dann in ruhigeren Bahnen ab.
Aber da ist ja noch das Problem der Kälte und der anderen Unbilden der Winterwitterung. Dazu muss klar gesagt werden, dass Frost und Kälte gesunden Tauben nichts anhaben können, sofern ein zugfreier und trockener Schlagraum aufgesucht werden kann. Gerade die in letzter Zeit immer häufiger anzutreffenden Offenfrontschläge sind auch in der Wintzerzeit bestens geeignete Unterkünfte für unsere Tauben. Dieser Schlagtyp, dessen gesamte Südseite zur Voliere hin offen bleibt oder lediglich mit einem Drahtgeflecht abgetrennt ist, bietet die Gewähr für ein staubfreies und trockenes Stallklima ohne Zugluft.
Bei der Frage der richtigen Winterfütterung scheiden sich die Geister, zumal der Fachhandel die verschiedensten Futtermittel und Ergänzungsstoffe auch für diese Zeit bereithält. Wichtig ist die Tatsache, dass das Winterfutter nicht zu fett und eiweißreich sein sollte. Was früher richtig war, ist auch heute nicht ganz falsch und so kann eine gute Gerste ein ausgezeichnetes Diätfutter für die Zeit der Winterruhe sein. Selbstverständlich muss ein gutes Meneralstoffgemisch zur ständigen Aufnahme bereitgestellt werden, da es gerade im Winter daran mangelt.
Wer frühe Bruten will, damit seine Tiere bis zur Austellung voll ausgereift sind, das ist bei den schweren Formentauben unumgänglich, sollte daran denken, dass er mit nicht zu vielen jungen Täubinnen in die Zucht geht, da diese erfahrungsgemäß später legen und auch in der Jungenaufzucht mitunter zu wünschen übrig lassen. Täubinnen im Alter zwischen zwei und vier Jahren haben sich in vielen Zuchten als die zuverlässigsten erwiesen.
Damit ist ein weiteres wichtiges Kriterium für die Zuchtauswahl bei unseren Tauben angesprochen. Es häufen sich in letzter Zeit die Klagen darüber, dass viele Taubenpaare vor allem in der ersten Brutperiode die Eier zu früh verlassen oder die geschlüpften Taubenküken vernachlässigen und zu früh verlassen und zu früh mit der Ablage des zweiten Geleges beginnen. Dabei rächte es sich, dass wir uns nach wie vor zu sehr an die Ausstellungsergebnissen bei der Zusammenstellung der Zuchtpaare orientieren und weniger an den nicht auf der Bewertungskarte aufgeführten Eigenschaften. Dazu zählen insbesondere Zuverlässigkeit im Brutverhalten, Beständigkeit beim Hudern, Zuverlässigkeit bei der Jungtierfütterung, Verhalten im Schlag, Krankheitsanfälligkeit, kurzum die sogenannte Vitalität. Auf Paare, die diese Kriterien schon über mehrere Jahre hinweg erfüllt haben und dabei zusätzlich sehr gute Schauergebnisse nachweisen können, sollte in der Zucht viel stärker geachtet werden. Das sind die wertvollsten Tiere, die eigentlichen Stars in jeder Zucht.
Wer mit derart ausgesuchten Tauben starten kann , wird in der folgenden Zuchtsaison vor mancher Enttäuschung verschont bleiben und viel mehr Freude an seinem Hobby haben.
