Federlinge bei Hühnern und Tauben
Federlinge bei Hühnern und Tauben
Sie sind Plage für die Tiere und ihre Züchter und Halter. Für die Tiere, weil sie eine andauernde Belästigung darstellen, die bei extremem Befall zu Leistungsminderung und Folgeinfektionen führen kann. Für den Menschen, der sich um die Eindämmung oder in froher, aber falscher Hoffnung um ihre endgültige Tilgung aus dem Bestand bemüht und im nächsten Jahr feststellen muss: Die Federlinge sind wieder da.
Schauen wir uns diese Winzlinge einmal näher an, die zu den bestangepasstesten tierischen Parasiten gehören.
Der Name Mallophagen in der latainischen Wissenschaftssprache bedeutet eigentlich Pelzfresser, denn dies urtümlichen Insekten, die man früher versehentlich zu den echten blutsaugenden Läusen zählte, fressen auch Haare ihrer felltragenden Wirte.
Heute werden die Fedrelinge zu den Kieferläusen gruppiert. Mit ihren gut entwickelten, beißenden Mundwerkzeugen, Mandibeln und Maxillen genannt, fressen diese Insekten Federn, Haare, Leder oder Holz, aber auch Hautschuppen und selten Blut. Ihre nächsten verwandten sind nämlich die Termiten, Holz-, Staub-, oder Bücherläuse.
Ihrer Nahrung entsprechend haben sie verhältnismäßig große Köpfe, kleine, schmale Brustschilde und recht große Hinterteile, in denen sich Därme und Geschlechtsorgane befinden. Aus mehr als 100 000 Eiern, die ein Weibchen unablässig legen kann, schlüpfen kleine Larven, die sich in mehreren Häutungen im Abstand von zwei bis drei Wochen zu geschlechtsreifen Insekten entwickeln. Die Eier (Nissen) werden in Klumpen vor allen an Flaum- und Kleinfedern abgelegt. Kloake und Kehle sind bevorzugte Orte dafür. Die Nissen werden zumeist zwischen Federschaft und dem verkümmerten Afterschaft der Vögel abgelegt. Warmes und feuchtes Wetter begünstigt die rasche und zunehmende Vermehrung.
Die Anzahl der gelegten Eier und die relativ kurze Entwicklungszeit bis zur Geschlechtsreife liefern die Erklärung dafür, warum oft scheinbar explosionsartiger Befall festzustellen ist. Die Übertragung erfolgt von Tier zu Tier und über herumliegende Federn. Mehr als eine Woche ist ein Federling außerhalb eines lebenden Wirts allerdings nicht lebensfähig, da ihm die Körperwärme des Wirts fehlt.
Bei Tauben kommen vor allem die schlanke Taubenlaus und die kleine Taubenlaus, bei Hühnern die braune Hühnerlaus, die Flaum- und die Flügellaus vor. Auch Fasane, Perlhühner, Truthühner, Gänse und Enten sowie Pfauen haben spezifische Federlinge. Nur wenuge Arten kommen bei verschiedenen Wirtsarten vor, die meisten sind an einen Wirt angepasst.
Weil es nicht gelingt, Geflügel völlig oder gar dauerhaft von diesen Parasiten zu befreien, müssen alle Bekämpfungsmaßnahmendarauf gerichtet sein, den Befall inniedrigsten Grenzen zu halten. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten, die in Abständen immer wieder angewendet müssen.
Einsichtig ist auch die Regelung der AAB, dass Untermieter beherbergende Tiere, die ihre Nachbarn mit Federlingen "versorgen können", auf Ausstellungen mit "ohne Bewertungsnote (o.B.)" eingestuft werden. Sie sollten allerdings sofort behandelt oder entfernt werden. Ausstellungstiere sind vor dem Ausstellen auf Federlinge und andere Parasiten zu kontrollieren. Bei Befall ist das Tier nach dem Einsprühen in einem Käfig mit freier Luftzirkulation zu setzen.
Die Grundformen ihrer Bekämpfung bzw Reduzierung sind optimale Haltungsbedingungen in Form von Stall- und Schlaghygiene, das heißt Vermeidung von Überbesatz, ausreichende und regelmäßige Lüftung und Reinigung sowie Befallskontrolle. Jeder Überbesatz wie herumliegende Federn stellen eine Gefährdung dar.
Spezielle Maßnahmen konzentrieren sich auf Staub- und Wsserbäder. Staubbädern beim Huhn können zerstoßene Tabakblätter, Blätter von Herbstastern oder Lavendel sowie zur Behandlung zugelassene Insektiziede beigefügt werden. Mehrmaliges Pudern der befallenen Tiere mit Insektizieden tut ein übriges. In Brut- und Legenestern können präventiv wirkende Pflanzenteile wie Walnussblätter, Lavendel, Herbstastern- oder Tabakstängel eingebracht werden. Bei Hühnern und Tauben verbietet sich das Besprühen von Nestern mit nicht zugelassenen Insektizieden.
Zugelassene Insektiziede, die vergast, versprüht, vernebelt oder verstäubt werden, können in Schlägen und Ställen zur Reduzierung des Befalls und der Vermehrung eingesetzt werden. Dabei empfiehlt es sich zwei Aktionen zu starten und zwar je eine im Frühjahr und im Herbst. Wichtig ist dabei, Ställe und Schläge nach der Maßnahme sofort und ausreichend zu belüften.
Solche Maßnahmen sind wegen der Vermehrungseigenheiten der Federlinge im acht- bis zehntägigem Abstand zu wiederholen. Kontaktmöglichkeiten zwischen Jung- und Alttieren sind zu vermeiden.
In Ställe und Schläge können Bündel von Lavendel gehängt werden, die lange ihre ätherischen Öle abgeben, wiel Lavendel sich getrocknet als hygroskopisch erweist. Bei Badezusätzen ist größte Vorsicht geboten, da die Mittel, unkontrolliert aufgenommen, gesundheitsschädlich sind. Dem kann mit Tauchen des Ganzkörpers bei freibleibendem Kopf in nach vorschrift verdünnte Lösungen abgeholfen werden.
Zusätze von Kochsalz oder Essig sind oft angewandte, probate Mittel. Auf zehn Liter Badewasser können ein gehäufter Esslöffel Salz oder 40 Mililiter Essig zugegeben werden.
Insektizide Tropfmittel in den Nacken haben sich bewährt, sind aber bei großen Beständen wie auch das Einsprühen der Unterflügel, Unterschwänze und des Vorderhalses ein aufwendiges Verfahren. Der Tropfen muss auf möglichst viel Hautfläche fallen, um resorbiert werden zu können. Über Federn kann er noch beim Putzen verteilt werden. Leider sind orale Mittel auf der Basis Ivermectin, die sich als langwirkend erweisen, bei Geflügel nicht zugelassen.
